Hallo Christoph, seit wann lebst Du in der Papageiensiedlung?

Wir stammen ursprünglich aus Bonn bzw. Neuendeich, sind aber schon vor der Wende nach West-Berlin gekommen. Unsere Kleinfamilie ist 2002 in die Papageiensiedlung, in den Treibjagdweg gezogen. Ausschlaggebend für diese Wahl war neben der Nähe zur Krummen Lanke die Erfahrung des offenen, adventlichen Garagensingens bei Familie Dasch im Jahr 2001. Das war so ganz nach unserem Geschmack.

Von Tag 1 an haben wir das Wohnen hier genossen. Ich wurde dann auch im Nachbarschaftsverein Papageiensiedlung aktiv, habe Vogelstimmenführungen angeboten, das Jahreszeiten-Liedersingen im Wald angeleitet, einen Atemkurs im Tautladen der Ladenstraße kostenlos für die Nachbarschaft praktiziert, bin mehrfach mit meinem Männerquintett hier aufgetreten und war von Anfang an in der Energiegruppe erst des Vereins dabei, dann in der Genossenschaft KliQ.

Was ist Deine Motivation, beim Thema Umwelt und Energie mitzumachen?

Die Bedrohung meiner geliebten Natur durch den menschengemachten Klimawandel hat dann dazu geführt, dass ich mich für möglichst fossilfreies Heizen und für die Nutzung der Sonnenenergie einsetze. So haben wir seit 5 Jahren 10 Solarmodule auf dem Dach, mit der Firma Fitschensolar geplant und ausgeführt. Als ich dann mitbekam, dass die Genossenschaft BürgerEnergieBerlin Unterstützung beim Selbstbau von Solardachanlagen anbot, dachte ich, dass auf diese Weise bald auf vielen Dächern unserer Siedlung Sonnenenergie geerntet werden sollte und habe dafür geworben. Da musste ich allerdings die Erfahrung machen, dass die Nachbarschaft nicht gerade auf diese Initiative gewartet hat. Wenn ich heute aufs Dach steige und mich umschaue, sind die meisten Dächer immer noch leer. Es würde viel, viel mehr Einsatz erfordern, hunderte Eigenheimbesitzer zu überzeugen…

Unser Auto haben wir vor 2 Jahren abgeschafft und vermissen es nicht. Wir fahren auch weite Wege gerne mit dem Fahrrad.

Warum habt Ihr Euch für eine Luftwärmepumpe entschieden?

Unsere Gastherme war 2024 30 Jahre alt geworden und wir haben schon seit 2023 darüber diskutiert, wie sie ersetzt werden kann. Ein Warten auf ein kaltes Nahwärmenetz der KliQ-Genossenschaft schien uns zu der Zeit unrealistisch. Dass es nun doch schneller vorangeht, hat auch uns im Nachhinein positiv überrascht.

Meine Frau hatte große akustische und ästhetische Bedenken gegen eine Luftwärmepumpe auf dem Dach oder im hinteren Garten. Es war ja auch die Zeit der fehlerhaften und überzogen negativen Berichte über Luftwärmepumpen. Ich wollte aber fossilfrei heizen und habe u.a. durch den Aktionskreis Energie und durch Freunde fundierte Informationen bekommen. Fast 2 Jahre hat diese Auseinandersetzung gedauert, dann bekam ich eine ungnädige Duldung…

Wie sieht Eure Heizungslösung aus?

Mit der Firma Tutas haben wir eine 7,5 kW- Luftwärmepumpe der Marke Buderus mit Außeneinheit im Garten installiert, nur zur Erzeugung von Heizwärme. Die Erzeugung von warmem Brauchwasser ist bei unserem geringen Verbrauch mit Durchlauferhitzern günstiger und direkter.

Musstest Du an Eurer Heizungsanlage etwas anpassen?

Wir benutzen die alten Heizkörper. Eine genaue Analyse über einen geförderten individuellen Sanierungsfahrplan hatte ergeben, dass sich unser Reihenmittelhaus gut mit einer Luftwärmepumpe durch den Winter bringen lässt, wenn wir die Fenster besser dämmen und isolierverglasen – das Dach war schon gedämmt.

Welche Herausforderung gab es beim Aufbauen der Luftwärmepumpe?

Wir hatten Glück: Unser Keller hat einen unterkellerten Schlauch auch unter dem Loggia-Ausbau. Dadurch musste für die Leitung zwischen Außeneinheit der Luftwärmepumpe und Inneneinheit im Keller nur die Terrasse schmal aufgeschnitten und ein Loch in die Kellerwand gebohrt werden. Ohne diesen Kellerschlauch hätte es ein sehr großes technisches Problem gegeben.

Wieviel Zeit hat der Einbau benötigt?

Gemessen an der langen Planung ging dann der Einbau der Luftwärmepumpe blitzschnell, in 2 Tagen, vonstatten.

Welche Förderungsmöglichkeiten konntest Du nutzen und wie hoch waren die Kosten?

Wir konnten die Förderung durch die KfW voll in Anspruch nehmen, dadurch kam die neue Heizung kaum teurer als eine neue Gastherme. Problematisch allerdings die neue Elektrik: Sie war mit ca. 1.000 € veranschlagt, so viel hätte es im Land Brandenburg gekostet, aber schließlich mussten wir 5.000 € dafür bezahlen. Berliner Elektriker sind schwer zu bekommen und haben hohe Preise, vielleicht auch wegen anderer Auflagen von Stromnetz Berlin.

Wird die Lösung von den Nachbarn akzeptiert oder gibt es Probleme?

Eine Nachbarin war vorher skeptisch: Als sie dann hörte, wie leise die Luftwärmepumpe ist und zudem noch einen Strauch als Sichtschutz bekam, war wieder eitel Sonnenschein. Das Schönste aber ist, dass meine Frau ein Luftwärmepumpen-Fan geworden ist: Sie schätzt die angenehme Wärme (die Heizkörper werden nicht mehr so heiß wie vorher), das Geräusch stört überhaupt nicht und die Optik ist in Ordnung.

Es gibt neue Sträucher, eine Wand der Luftwärmepumpe ist von meiner Frau und unserer Tochter durch ein Gemälde verziert worden, obendrauf steht ein Futterhäuschen und ein Blumentopf – und die Gewöhnung spielt natürlich auch eine Rolle.

Kurz nach dem Einbau im November 2024 waren über die KliQ-Genossenschaft alle Interessierten in unseren Garten eingeladen. Das war ein Gedränge!

Haben sich Deine Erwartungen erfüllt?

Nach Abschluss des ersten Wirtschaftsjahres mit der Luftwärmepumpe bin ich sehr zufrieden. Wir hatten im Winter eine schöne Wärme und aufs Jahr einen Stromkauf insgesamt von rund 3200 kWh, davon 2515 kWh für die Heizung. Das ist ein guter, niedriger Energieverbrauch (Solarenergie).

Der Wermutstropfen: Die Energie-Effizienz unserer Luftwärmepumpe hatte im Jahresdurchschnitt nur einen Wert von 2,5, also benötigte der Betrieb der Luftwärmepumpe 1 kWh Strom um damit 2,5 kWh Wärme zu erzeugen. Es sollte ein Wert von 3 sein. Ich weiß noch nicht, woran das liegt und ob sich das noch verbessern lässt. Die hier geplanten Nahwärmenetze mit der Nutzung von Erdwärme kämen vermutlich auf einen Wert von 4,5.

Welchen Tipp hast Du?

Wer heute eine neue Heizung braucht, dem kann ich nur empfehlen, Kontakt mit der KliQ-Genossenschaft aufzunehmen. Hier gibt es gebündelten Sachverstand und gute Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten. Wer im Treibjagdweg oder im Hochwildpfad wohnt, kann sich auch gerne direkt an mich wenden: Ich bin „KliQ-Nachbar“ für diese beiden Straßen. Und liebe Nachbarn, bitte: Stellt so früh wie irgend möglich auf fossilfreies Heizen um, die ganze Natur einschließlich uns Menschen werden es Euch danken.