Die kliQ-Genossenschaft informierte über den neuesten Stand des nachbarschaftlichen Nahwärmenetzes. Es garantiert voraussichtlich ab 2027 die lokale Unabhängigkeit von Fossilkonzernen
In den letzten Tagen sind 30 seltsame Gebilde wie Pilze aus dem Boden unseres Quartiers geschossen. Nein, nicht wegen des Regens. Sondern, weil kliQ-Vorstand Christian Küttner Infoschilder mit Pfählen gefertigt hatte. Die haben sich nunmehr 30 „kliQ-Nachbarn“ in die Vorgärten gerammt, um sich als dezentrale Anlaufstellen für das geplante Nahwärmenetz erkennen zu geben. „Die beste Idee des Nachmittags“, begeisterte sich ein kliQ-Nachbar über diese Strategie der Sichtbarmachung. Denn immer noch gibt es hier Haushalte, die nichts davon wissen.
Die Schilder hatte Christian Küttner am Ende der Infoveranstaltung am Samstag den 14. März in der vollen Emmaus-Kirche verteilt, fast 200 Menschen waren gekommen. Die kliQ-Genossenschaft hatte diesmal in die Kirche eingeladen, weil die vielen Interessenten beim letzten Mal nicht in dem kleinerem Emmaus-Gemeindesaal Platz fanden. Verschiedene KliQ-Mitglieder gaben in der zweistündigen Veranstaltung den Planungs- und Finanzierungsstand der geplanten dezentralen Nahwärmenetze bekannt. Die detailreichen Folien ihrer Power-Point-Präsentation sind auf der kliQ-Website https://kliq-berlin.de abrufbar.
Der Event fand auch vor dem Hintergrund rapide steigender Gas- und Ölpreise infolge des Irankriegs reges Interesse. Wenn man die Kosten für eine 20-jährige Laufzeit einer Gasheizung mit den Kosten einer Wärmepumpe mit oder ohne Netzanschluss vergleiche, dann sei „Gas in jedem Falle die teuerste Lösung“, so kliQ-Aktivist Heiner Jagels. Das aber hat sich immer noch nicht bei allen in der Nachbarschaft herumgesprochen.
Die Netze auf der Nordseite des Sprungschanzenwegs und im Eggepfad sind in der Planung am weitesten gediehen, gaben die beiden zuständigen Projektkoordinatoren Christian Küttner und Ulrich Döbler bekannt. Die Vorteile eine solchen Nahwärmenetzes seien klar: Versorgungssicherheit, Unabhängigkeit, Fossilfreiheit, Kostenstabilität und „Zukunft statt Vergangenheit“. Im Sprungschanzenweg zeigten etwa die Hälfte der 80 Haushalte Interesse. Die Netzgenehmigung sei beantragt, das Bezirksamt habe kliQ als öffentlichen Versorger anerkannt. Im Frühjahr 2027 könnte mit dem Bau begonnen werden, das Netz würde dann ab Sommer funktionieren.
Der Netzanschluss über kleine Geothermie-Rohre im Straßenuntergrund koste pro Haushalt einschließlich Mehrwertsteuer etwa 12.000 Euro plus rund 12.000 Euro einschließlich Mehrwertsteuer für die Wasser-Wärmepumpe im Keller. Die anfänglichen Investitionskosten seien relativ hoch, dafür aber heize und kühle man die nächsten 20 bis 30 Jahre sehr günstig. Zudem sei ein Solidarmodell für die Netztarife angedacht: Wer wenig Geld habe, können einen Teil der Investitionskosten in Raten zahlen. Und Genossenschaftsmitglieder kämen um 600 Euro billiger weg als Nichtmitglieder. Ein Eintritt in die Genossenschaft lohne sich deshalb und stärke zudem die Finanzkraft des Unternehmens.
Im Eggepfad in der Weserberglandsiedlung sei das gemeinschaftliche Interesse an einem Anschluss ebenfalls groß, so kliQ-Planer Ulrich Döbler. 20 Haushalte, mehr als die Hälfte aller Häuser, wollten mitmachen. Allerdings habe man umplanen müssen, weil der Berliner Senat das entsprechende Förderprogramm gekürzt habe und kliQ auf ein Bundesprogramm habe wechseln müssen. Wenn alles gut gehe und die Haushalte ihr „vorgezogenes Nutzungsentgelt“ gezahlt hätten, könne das dortige Nachbarschaftsnetz im Herbst 2027 gestartet werden.
Das Grundprinzip der Genossenschaft lautet dabei, so führten die beiden Referenten aus, dass jeder Haushalt für seine nötige Wärmepumpe selbst verantwortlich ist. KliQ sammelt aber die Bestellungen und hat bereits Verträge mit entsprechenden Fachfirmen geschlossen. Wer sich ans Netz anschließen lassen und eine Wasser-Wärmepumpe im Keller installieren will, gilt als „A-Kunde“. KliQ habe aber auch ein Angebot für „B“- und „C-Kunden“. Das seien Leute, deren Heizung so dringend erneuert werden müsste, dass sie nicht auf einen Netzanschluss warten könnten, und Menschen in Straßen, in denen sich nicht so viele Interessenten an einem Gemeinschaftsnetz finden. Vor dem möglichen Kauf einer einzelnen Luft-Wärmepumpe können sie sich unter energie@kliq-berlin.de melden, die Genossenschaft vereinbart dann eine Vor-Ort-Beratung und organisiert eine Sanmmelbestellung.
Insgesamt liegen kliQ bereits 222 Interessensbekundungen für eine Beteiligung am Netz vor. Pro Straße müssten es allerdings mindestens 17 bis 20 Haushalte sein, damit sich ein lokales Wärmenetz rechnet. Die 30 „kliQ-Nachbarn“, erkennbar an ihren Schildern im Vorgarten, führen hierbei eine Liste der Interessierten. Recht weit gekommen sind hier schon die Nachbarschaften in der Waldsiedlung Krumme Lanke, im Wieselbau Ecke Riemeisterstraße, im Waldhüterpfad, im Fischtal und im Deisterpfad.
„Wir haben alle Nachbarn eingeladen und hatten ein sehr nettes Treffen, sowas macht auch Spaß“, berichtete dazu Sabine Eicke aus dem Wieselbau. Und fügte hinzu, sie sei „total beeindruckt von dem Engagement und dem Mut“ der kliQ-Aktiven, die sich rein ehrenamtlich durch den Förderdschungel und die komplexe Materie kämpften. Für diesen Wortbeitrag gab es mit Abstand den längsten Beifall des Nachmittags. Ute Scheub
„kliQ-Nachbarn“ zeigen sich mit ihren Schildern, die sie in ihre Vorgärten gepflockt haben. Sie sind die Ansprechpersonen in den Straßen und Siedlungsteilen im kliQ-Quartier.