Zweite Generalversammlung kliQ-Berlin eG am 13. Juni 2026
im Gemeindesaal der ev. Emmaus-Gemeinde.
Draußen abwechselnd Sonne und heftige Regenschauer. Drinnen heitere Aussichten für die kliQ-Genossenschaft trotz wolkenschwerer politischer Rahmenbedingungen. Am Samstag den 13.Juni 2026 ging die zweite Generalversammlung von kliQ im Emmaus-Gemeindesaal über die Bühne. Zum genösslichen Beisammensein waren knapp 100 der 277 Mitglieder erschienen. Sie entlasteten Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig, sieht man von den Stimmenthaltungen der Gremienmitglieder ab.
Den Geschäftsbereich „Kieztreff“ stellten Conny Polzin und Michael Gaedicke vor. Ein Highlight im wahrsten Sinne des Wortes, so die mit einer halben Stelle einzige Hauptamtliche Conny Polzin, war die Reparatur der Leuchtschrift „Frisierkunst“ im dunklen Dezember 2025. Insgesamt wird der Kieztreff sehr gut angenommen, auch dank seines Bistro- und Organisations-Teams von 18 bzw. 7 Ehrenamtlichen. Das Team konnte das kulinarische Angebot von Suppen, Eintöpfen, Kuchen oder After-Work-Erfrischungen deshalb mit längeren Öffnungszeiten am Mittwoch- und Freitagnachmittag erweitern. Viele Gruppen bieten regelmäßig und unregelmäßig Veranstaltungen an, der Terminkalender ist voll.
Die Personalkosten belaufen sich auf rund 22.000 Euro jährlich; die an den Eigentümer Vonovia bezahlte Jahresmiete betrug bisher etwa 13.000 Euro. An den Kosten für den Kieztreff beteiligt sich der Papageienverein, der schon bei Gründung der Genossenschaft eine zentrale Rolle gespielt hat, in erheblichem Umfang. Ende 2025 schloss der Kieztreff mit einem leichten Plus von rund 6.000 Euro ab, mit dem ein erheblicher Teil der Renovierungskosten von 2024 bezahlt werden konnte. Ohne die Förderung durch bezirkliche FEIN-Mittel wäre er ins Minus geraten, sie laufen aber 2027 aus. Michael Gaedicke stellte erste Überlegungen vor, wie das voraussichtliche Defizit von jährlich 20.000 Euro auf andere Weise zu stemmen wären: ein günstigerer Mietvertrag mit Vonovia; ein Spendenaufruf; ein Förderverein „Freundinnen und Freunde der Frisierkunst“ mit relativ hohen Mitgliederbeiträgen; eine Umlage der Genossenschaftsmitglieder, die per Satzungsänderung beschlossen werden müsste. Das diskutierende Publikum war sich hier noch nicht schlüssig, was der beste Weg wäre. Manche wandten ein, noch eine weitere Organisationsgründung und -führung sei bürokratisch zu aufwendig. Andere verwiesen darauf, dass eine Querfinanzierung durch kliQ der Absicht der Genossenschaftsführung widerspräche, dass sich jeder Geschäftsbereich selbst tragen sollte.

Den Geschäftsbereich Energie stellten die beiden kliQ-Vorständler Christian Küttner und Thomas Gehring vor. Auch sie konnten Heiteres trotz behördlicher Regenschauer verkünden. Die Planung für das geplante fossilfreie Nahwärmenetz im Sprungschanzenweg ist für die ersten anschlusswilligen Haushalte weitestgehend abgeschlossen, sie hoffen auf Bau und Inbetriebnahme im Herbst 2027, und auch im Eggepfad geht es weiter. Momentan zählt die Genossenschaft insgesamt fast 400 Anschluss-Interessierte – die meisten davon in der Papageiensiedlung Nord und Süd, der Fischtalsiedlung, der Weserberglandsiedlung und der Waldsiedlung Krumme Lanke. Es gab aber zahlreiche Zeitverzögerungen, die durch langwierige Abstimmungen zwischen Bezirk und Senat und kurzfristig geänderte Förderprogramme zustande kamen. Vor allem die aus der Fossilwirtschaft stammende Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) macht inzwischen vieles unmöglich, was vorher möglich war. Dennoch brachte die Genossenschaft in einem Jahr zustande, was bei den Berliner Behörden üblicherweise acht Jahre dauert, konstatierte ein involvierter Fachmann höchst anerkennend.
Ein zweites Projekt war die Messung auf etwa 50 Hausdächern, wie wirksam neuartige Filter den Feinstaub der vielen hiesigen Kaminöfen herausfiltern. „Es gibt Top-Öfen und Sau-Öfen“, kommentierte Christian Küttner lapidar. Tatsächlich ist die Luft in den Wintermonaten hier trotz Bewaldung durch mehr Feinstaub belastet als an vielbefahrenen Straßen. Allerdings musste er feststellen, dass die von Herstellern angegebenen Laborwerte der Filter oft nicht stimmten. Im nächsten Winter soll deshalb nochmal gemessen werden, finanziert durch eine Stiftung.
Aufgrund der hohen Planungskosten ist der Geschäftsbereich Energie finanziell weit umfangreicher als der Kieztreff. Die Machbarkeits-Studien für das Nahwärmenetz kosteten rund 180.000 Euro, wobei rund 141.000 Euro durch staatliche Förderprogramme und etwa 32.000 Euro durch Sponsoren getragen wurden. Das ergab für 2024 und 2025 ein leichtes Defizit für den Geschäftsbereich Energie von ungefähr 9.000 Euro minus. Die Generalversammlung genehmigte deshalb eine Teilauflösung der bestehenden Kapital-Rücklage, um den Fehlbetrag auszugleichen.
Während es draußen in Strömen goss, rauschte es auch drinnen heftig: Großer Beifall der Versammlung für die viele Arbeit der Ehrenamtlichen. Ute Scheub